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Brecht-Weigel-Haus. Eine Einrichtung der Kultur-GmbH Märkisch Oderland

Mitten in der hügeligen, wald- und seenreichen Landschaft der Märkischen Schweiz am Buckower Schermützelsee fand Bertolt Brecht 1952 ein Refugium, wo er nur sechzig Kilometer vom Berliner Stadtzentrum entfernt in Ruhe arbeiten und Gäste empfangen konnte.

 „Mit Helli in Buckow in der Märkischen Schweiz Landhäuser angesehn.
Finden auf schönem Grundstück am Wasser des Schermützelsees unter alten großen Bäumen ein altes, nicht unedel gebautes Häuschen mit einem andern geräumigeren aber ebenfalls einfachen Haus daneben, etwa 50 Schritte entfernt, etwas derart wäre erschwinglich, auch im Unterhalt. In das größere Haus könnte man Leute einladen.“

Bertolt Brecht, Journale 14.2.52

Die beiden kleinen Buckower Häuser waren sanierungsbedürftig. Brechts Arbeitszimmer im sogenannten Gärtnerhaus wurde in gewohnt spärlicher Art mit Arbeitstischen, einem Sekretär mit Stuhl, ein paar alten Sesseln, Büchern und einem Parawan eingerichtet. Hier fand der Dichter Raum für seine Arbeit.

In Erwägung, daß ich nur ein paar Wochen im Jahr für mich arbeiten kann
in Erwägung, daß ich arbeitend auf meine Gesundheit achten muß in Erwägung, daß bei dem Schreiben von Stücken und dem Lesen von Kriminalromanen jede menschliche Stimme im Haus oder vor dem Haus eine willkommene Ausrede für eine Unterbrechung bildet habe ich beschlossen, mir eine Sphäre der Isolierung zu schaffen, und benutze dazu das Stockwerk mit meinem Arbeitszimmer und den kleinen Platz vor dem Haus, begrenzt durch Gewächshaus und Laube. Ich bitte, diese Regelung nicht als allzu bindend aufzufassen. Prinzipien halten sich am Leben durch ihre Verletzung.

Bertolt Brecht, Autobiographische Notiz um 1954

In der „Eisernen Villa“, dem ehemaligen Atelierhaus des Bildhauers Georg Roch, richtete Helene Weigel in dem lichtdurchfluteten Atelier mit sicherem Gefühl für eine schöpferische Atmosphäre einen Saal mit alten Möbeln für Gespräche mit Gästen ein. Daneben lagen zwei kleine Zimmer, von denen sie eins zu ihrer Küche machte. Nun konnte sie die Gäste, wie an allen zuvor bewohnten Orten, mit ihrer Kochkunst verwöhnen. Neben alten Freunden wie dem Ehepaar Walcher, Eisler, Busch und Dessau kamen auch die Schüler, mit denen Brecht einzelne Projekte vorbereiten konnte.
Außer der Arbeit an Strittmatters „Katzgraben“  vertiefte sich Brecht in die Arbeit an neuen Stückplänen, übersetzte den Coriolan und schrieb im Sommer 1953 die „Buckower Elegien“, in denen er lyrisch seine Gedanken und Eindrücke nach dem 17. Juni 1953 verarbeitete. Diese 23 Gedichte geben nicht nur Aufschluss über Brechts Haltung zu den Ursachen und Auswirkungen des Arbeiteraufstandes, sondern zeigen auch Reaktionen auf die Auseinandersetzungen im künstlerischen Bereich in der frühen DDR und Brechts weitsichtige Warnung vor der immer noch bestehenden Gefahr des Faschismus.
Nach Brechts Tod blieb Buckow für Helene Weigel ihr liebster Erholungsort. Hierher lud sie Theaterkollegen und Freunde zur Erholung und zur gemeinsamen Arbeit ein.
Seit 1977 ist die „Eiserne Villa“ für alle offen, die sich dem Werk der beiden Künstler verbunden fühlen. Neben der Besichtigung des Künstlerhauses und einem Angebot thematischer Führungen und Vorträge lädt es zu unterhaltender produktiver Diskussion ein. Im so genannten Bootshaus kann der originale Planwagen aus der Inszenierung „Mutter Courage und ihre Kinder“ vom 11.1.1949, der deutschen Erstaufführung des Stückes auf der Probebühne des Deutschen Theaters Berlin, sowie die Kostüme der Helene Weigel, die die Titelrolle spielte, besichtigt werden.

An vielen Wochenenden im Sommer können die Gäste in vielfältigen Veranstaltungen Kunst und Literatur erleben.

Anreise:
Mit Bahn und Bus:
NE 26 von Berlin-Lichtenberg über Rehfelde bis Müncheberg. Anschlussbus nach Buckow. An den Wochenenden und Feiertagen in der Sommersaison verkehrt ab Müncheberg auch die Buckower Kleinbahn oder der Ausflugsbus 930.
Mit S-Bahn und Fahrrad oder Bus:
S5 bis Strausberg Hegermühle (2. Station) und von dort entlang des ausgeschilderten ZR1 nach Rehfelde zum Europa-Radfernweg R1 über Rehfelde, Garzau und Garzin Buckow.  Oder  mit der S5 bis Strausberg-Nord und dann weiter über Klosterdorf in die Märkische Schweiz.

Mit dem Auto nur 60 km vom Stadtzentrum Berlins:
a) über die B1/5 Abzweig Strausberg und über Hohenstein, Ruhlsdorf, Oberbarnim(OT Bollersdorf) nach Buckow.
b) über die B1/5 Richtung Frankfurt/Oder bis Lichtenow und über Zinndorf, Rehfelde, Garzau, Gladowshöhe nach Hohenstein und weiter bis Buckow.                                                               
c) über die B1/5 Richtung Frankfurt/Oder durch Müncheberg nach Buckow.

Adresse

Brecht-Weigel-Haus
Bertolt-Brecht-Straße 30
15377 Buckow

Fon: (033 433) 467
Fax: (033 433) 562 15

brechtweigelhaus(at)kulturmol.de

www.brechtweigelhaus.de

Öffnungszeiten

April bis Oktober
Mittwoch bis Freitag:
13–17 Uhr

Samstag, Sonntag und Feiertage:
13–18 Uhr

November bis März
Mittwoch bis Freitag:
10–12 Uhr und 13–16 Uhr

Samstag und Sonntag:
11–16 Uhr

Eintrittspreise

Erwachsene

3,00 €

Ermäßigt

2,00 €

 

Führungen/Vorträge
ab 8 Personen

Erwachsene

5,00 €

Ermäßigt

4,00 €

Schulklassen

3,00 €

 

Filmvorführungen
ab 8 Personen

Erwachsene

4,00 €

Ermäßigt

2,50 €