Druckversion

   

Messingwerk: ein Dokument der Arbeit


Zu den markantesten Kulturlandschaften der Region Berlin-Brandenburg gehört das Finowtal. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelte sich hier das erste frühindustrielle Zentrum der Mark. Wie auf einer Perlenschnur sind die Industriesiedlungen am Finowkanal aufgereiht. Von 1698 bis 1700 entstand nahe dem Dorf Heegermühle das erste Messingwerk Brandenburgs. 1719 übernahm der preußische Staat den zwischenzeitlich an Privatunternehmer verpachteten Betrieb, der 1721–1725 flussaufwärts an seinen endgültigen Standort verlegt wurde. Das Hüttenamt und zwei Wohnhäuser erinnern an diese Zeit.

1863 wurde das Königliche Messingwerk privatisiert. Der neue Eigentümer, das Halberstädter Handelshaus Aron Hirsch & Sohn, führte das Unternehmen seit 1906 als Aktiengesellschaft. Die Hirsch, Kupfer- und Messingwerke AG nahm beträchtliche Investitionen vor. Zu den Neubauten zählte der 1917–1918 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Paul Mebes errichtete Wasserturm. Schon bald galt der rund 48 Meter hohe Bau als Wahrzeichen nicht nur des Messingwerks, sondern des Industriereviers im Finowtal überhaupt.

Bürger aus Eberswalde und Berlin gründeten 2003 den Förderverein Finower Wasserturm und sein Umfeld e. V., um die dringend notwendige Sanierung durch die Einwerbung von Spenden auf den Weg zu bringen. Im darauf folgenden Jahr begann die Stadt Eberswalde, Eigentümerin des Baudenkmals, mit den Bauarbeiten, die bis 2007 im Wesentlichen abgeschlossen werden konnten.

Heute markiert der Wasserturm als Aussichtsturm den Ausgangs- beziehungsweise Endpunkt eines Industriekulturpfads, der die frühindustriellen Siedlungen im Finowtal mit dem Eberswalder Hauptbahnhof verbindet. Der Aufstieg erfolgt über Treppen mit insgesamt 262 Stufen. In Zukunft wird ein Aufzug auch Menschen mit Behinderungen den Zugang ermöglichen.

Seit 2009 erzählt eine Ausstellung im ehemaligen Wasserbehälter die Geschichte des Messingwerks und der Unternehmerfamilie Hirsch sowie der Siedlung und ihrer Bewohner. Originale Produkte, Kataloge, Fotografien, Ansichtskarten, Schriftstücke und weitere Exponate schlagen einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart.

Eine letzte Treppe verbindet die Ausstellung mit dem Aussichtssteg, der rings um den Turmkopf läuft. Von dort bietet sich ein herrliches Panorama über Messingwerk und weit darüber hinaus in das Barnimer Land. Bei günstiger Witterung reicht der Blick bis zum Berliner Fernsehturm.

Carsten Seifert

Adresse

Förderverein Finower Wasserturm
und sein Umfeld e.V.

c/o Heiko Schult

Kopernikusring 36

16227 Eberswalde

Fon: 03334 - 496 029

finower-wasserturm(at)gmx.de

Öffnungszeiten

Fr, Sa, So und Feiertags  von 10 - 17 Uhr

Führungen durch die Messingwerksiedlung sind für Gruppen nach vorheriger Anmeldung auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

Ansprechpartner: Karl-Dietrich Laffin Tel.  03334 - 23 78 46 oder 0172 926 1761, E-Mail: kdlaffin-ebw(at)web.de

Der Wasserturm ist behindertengerecht zugänglich

Eintrittspreise

Erwachsene


3,00 €

Ermäßigt


1,00 €

Für Kinder unter 6 Jahren ist der Eintritt frei.