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Museum und Galerie Falkensee

Heimat aus der Sicht einer Fremden –
Gertrud Kolmar im Museum und Galerie Falkensee


Jedes Dorf, jede Stadt oder Region hat etwas Einzigartiges – eine besondere Geschichte oder außergewöhnliche Persönlichkeiten. Im Heimatmuseum Falkensee wird die heimatkundliche Ausstellung mit der Lebensgeschichte und Zitaten der bekannten Lyrikerin Gertrud Kolmar (1894-1943) verknüpft, die mit bürgerlichem Namen Gertrud Chodziesner hieß und in den zwanziger und dreißiger Jahren in Falkensee lebte. Hier entstand fast ihr gesamtes und bekannt gewordenes lyrisches Werk.

Zuwanderung – eine Besonderheit Falkensees
Falkensee war und ist bis heute das Ziel von Zuwanderern. Seit 1990 sind ca. 20.000 Menschen in die nur wenige Kilometer westlich von Berlin gelegene Stadt gezogen. Wie einst Gertrud Kolmar suchen sie hier eine neue Heimat.
Auch das Fachwerkhaus, in dem das Heimatmuseum heute untergebracht ist, verkörpert die Geschichte einer Zuwanderung. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts stand es als „Wohnhaus zur Ölmühle“ in der Spandauer Altstadt, bevor es Zimmermeister Bastian 1901 abtrug und auf seinem Grundstück in Falkenhagen, einem Ortsteil Falkensees, wiedererrichtete. Einst ein Neuling in der Stadt vermittelt es heute die Idee von Heimat.

Spuren aus Gertrud Kolmars Leben begleiten den Besucher durch die Ausstellung. Bereits in den zwanziger Jahren tauschten viele Berliner die städtische Enge gegen die grüne Idylle Falkensees. 1923, als aus den Gemeinden Falkenhagen und Seegefeld „Falkensee“ gegründet wurde, ließ sich auch die Familie Kolmar hier nieder. Spuren aus Kolmars Leben, Gedichte, Erinnerungen und Briefe begleiten den Besucher auf seinem Rundgang durch das Museum.

Die komplexe Geschichte der Gründung der Stadt Falkensee aus verschiedenen Dörfern, Gutsbesitzen und Wohnkolonien wird in der Dauerausstellung erzählt. Ein Stadtmodell zur Siedlungsgeschichte am Berliner Stadtrand verdeutlicht die Entwicklung vom Dorf zur Stadt. Im Jahr des Mauerbaus 1961 wurde Falkensee – wie zum Trost – das Stadtrecht verliehen. Über die Stadtgrenzen hinaus reicht die Vielzahl archäologischer Fundstücke aus dem Havelland. Darunter Steingeräte, Mammutknochen und irdenes Geschirr aus dem Mittelalter. Eine große Vogel- und Schmetterlingssammlung bietet Einblick in die regionale Natur- und Tierwelt. Eine Kunstgalerie sowie Räume für Sonderausstellungen und Ausstellungen aus dem eigenen Sammlungsbestand sorgen für viel Bewegung und regen zum Gedankenaustausch an.

Heimat kann nur sein, woran eines Menschen Herz hängt
Am eindrücklichsten aber bleibt, dass man beim Rundgang von der Dichterin Gertrud Kolmar begleitet wird. Ihre Liebe zu diesem Ort, ihre Anhänglichkeit, ihre Sehnsucht nach der Gartenstadt sprechen aus den vergrößerten, handschriftlichen Schriftrollen, die einen durch die Räume und Zeiten führen. Durch diese persönlichen Zeugnisse erfährt der Besucher: Heimat kann nur sein, woran eines Menschen Herz hängt. Sie ist es umso mehr, wenn sie einem verboten ist, wie sie dieser jüdischen Dichterin verboten war, die 1938 aus Falkensee vertrieben wurde. Am 2. März 1943, auf dem 32. Osttransport nach Auschwitz verlieren sich ihre Spuren.

Gabriele Helbig & Bert Krüger

Text unter Verwendung von:

Baltzer, Patrick (2004): Heimat aus dem Blick einer Fremden. Gertrud Kolmar im Heimatmuseum Falkensee. In: Museumsblätter – Mitteilungen des Museumsverbandes Brandenburg e.V., Mai 2004, 32-35.
 
Museen in Brandenburg (2001): Herausgegeben vom Museumsverband des Landes Brandenburg e.V. 2001, 69. Texte von Martin Ahrends und Martin Stefke.

Adresse

Museum und Galerie Falkensee
Falkenhagener Str. 77
14612 Falkensee

Fon: (03322) 22288
Fax: (03322) 22288

Museum-Galerie(at)falkensee.de

www.falkensee.de

Öffnungszeiten

Dienstag und Mittwoch:
10–16 Uhr

Donnerstag, Samstag und Sonntag:
14–18 Uhr

an Feiertagen geschlossen

Führungen nach Vereinbarung

Eintrittspreise

Erwachsene

1,00 Euro

Ermäßigt

0,50 Euro

 

Mit Führung

Erwachsene

2,00 Euro

Ermäßigt

1,00 Euro